Das Thema Apps (oder Software/ Programm) ist ein Knackpunkt im Kontext der Methodik und Didaktik mit digitalen Medien. Dies hat mehrere Gründe:

  1. Didaktische und methodische Überlegungen stehen und fallen mit der Möglichkeit sie schließlich auch umzusetzen. Ein Puzzle oder Arbeitsblatt ist von einer Lehrkraft schnell erstellt. Hat man aber ein bestimmtes unterrichtliches Vorhaben mit digitalen Medien geplant, ist es den meisten Kollegen nicht möglich, kurzerhand eine passende App zu schreiben. Um didaktische und methodische Planungen anzustellen, müssen Lehrkräfte also bereits Grenzen und Möglichkeiten von Apps kennen und mit ihrem Umgang vertraut sein.
  2. Mit dem Kennenlernen dieser Apps ist ein erheblicher Aufwand verbunden. Recherche, Trial and Error und eventuell finanzielle Investitionen belasten Lehrkräfte zusätzlich.
  3. Dieser Umstand führt in Verbindung mit dem tatsächlichen Angebot von Apps auf dem Markt zum aus meiner Perspektive größten Problem mit Apps. Die „perfekte“ ab wird nicht gefunden oder kann nicht gefunden werden. Deshalb steht oftmals eine App am Beginn der Überlegungen und der Unterricht folgt dann nicht mehr der Didaktik oder der Kompetenzentwicklung, sondern lediglich den Möglichkeiten und Grenzen der verwendeten Software.
  4. Nicht nur die Vorbereitungszeit, sondern auch die Unterrichtszeit ist knapp. Eine App muss also intuitiv sein und den Aufwand des Einarbeitens, der für Lehrkraft und Lernende entsteht, minimal halten und rechtfertigen.
  5. Zentrale Bedingung für den Einsatz von Apps ist, dass sie allen Lernenden zugänglich sind, um dem Grundrecht auf Gleichberechtigugn zu entsprechen. Das bedeutet, dass im Optimalfall keine zusätzlichen Kosten für die Lernenden entstehen sollten und dass sie auf jedem Gerät lauffähig sind. Insbesondere der letzte Punkt ist eigentlich unmöglich. Eine gute App wird beständig mit neuen Updates versorgt und ist in der Regel auf aktuelle Hardware angepasst. Dadurch sind die wenigstens Programme insbesondere auf Rechnern, Tablets und Smartphones mit einem Alter von über 4 Jahren nicht mehr oder nur in einer überholten Version mit geringerem Funktionsumfang verfügbar.
  6. Apps, die in jedem Browser lauffähig sind (browserbasiert), sind optimal für eine Gruppe mit homogener Geräteausstattung und können in der Regel von jedem Gerät geöffnet werden. Außerdem wird nicht immer eine App im klassischen Sinne benötigt. Ein umfassendes Lexikon oder ein Verzeichnis von Lehr- und Lernvideos kann so auf einer Internetseite integriert werden, dass keine besondere Software dafür benötigt wird. Natürlich gibt es auch Apps, die auf mehreren Plattformen veröffentlicht wurden (multi-platform).
  7. Schließlich gibt es mit vielen Apps auch ein nicht zu unterschätzendes datenschutzrechtliches Problem. Eine Lehrkraft muss begründet einschätzen, ob die eingesetzte Software Schülerdaten sammelt und solche Apps vermeiden. Dazu gehört neben dem Willen der Entwickle, Datensicherheit zu gewährleisten, auch der Schutz vor böswilligen Attacken und regelmäßige Sicherheitsupdates. Dazu gibt es hier mehr.

Unter Berücksichtigung der oben genannten Punkte sollen nun Apps vorgestellt werden, die Lehrkräfte mal ausprobiert haben sollten. Dabei konzentriere ich mich auf wenige Apps, die dafür den Unterrichten wirklich bereichern können.

Fächerübergreifende Apps

  • LearningApps.org (interaktive Aufgabenplattform; kostenlos)
  • XODO (PDF-Annotation, kostenlos, multi-platform & browserbasiert)
  • Libre Office (Office-Anwendungen; kostenlos, Windows)
  • Kahoot (selbsterstellte Quizzes, motivierend und kurzweilig, kostenlos, multi-platform & browserbasiert)
  • Explain Everything (Whiteboard-Software, animierte Videos erstellen, multi-platform)
  • Mentimeter (Visualisierung von Auswertung und Feedback)

Fachspezifische Apps Mathematik

  • Geogebra (DGS/CAS; kostenlos; multi-platform & browserbasiert)
  • Libre Office Calc (Textverarbeitung, Tabellenkalkulation; kostenlos)
  • MathematikAlpha (Mathematiklexikon; kostenlos; Windows)
  • Rechenblatt (Aufgabengenerator Grundrechenarten ganze Zahlen; kostenlos; Windows)
  • Photomath (Einscannen von auch handgeschriebenen Rechen-Aufgaben mit Ausgabe einer schrittweisen Lösung, multiplatform, kostenlos)
  • MyScript Nebo (Notizen erstellen, handgeschriebene Diagramme und Formeln umwandeln, multiplatform)

Ich freue mich über Hinweise, Ergänzungen, Kommentare und Feedback an: kontakt@jenslindstroem.de
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Beitragsbild als Screenshot von https://www.geogebra.org 25.3.2018

1 thought on “Apps für den (Mathematik-)Unterricht

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