Unterrichten mit Augmented Reality

Der folgende Artikel stellt vor, was Augmented Reality ist und wie es im Unterricht eingesetzt werden kann.

Was ist Augmented Reality?

Unter Augmented Reality versteht man das Einblenden von virtuellen Inhalten (Bilder, Videos, Animationen) über dem tatsächlich gesehen Bild. Das wohl bekannteste Beispiel ist Pokemon Go. Man filmt den eigenen Garten und die Pokemon hüpfen aus dem Gras. Oder aus der Waschmaschine. Hp Reveal (ehemals Aurasma) ist eine plattformübergreifende App, die es ermöglicht, eigene Augmented-Reality-Inhalte zu erstellen und zu teilen. Das mag jetzt so klingen, als könnten nur totale Nerds damit etwas anfangen. Tatsächlich ist es aber kinderleicht.

Die Idee dahinter ist folgende:
Mit der App werden sogenannte Auras erstellt. Dazu fotografiert man mit der App ein Bild ab. Anschließend sucht man ein anderes Bild oder Video aus und ordnet es auf dem Foto an. Wenn man nun in Zukunft mit der Aurasma-App das fotografierte Bild filmt, spielt die App automatisch das Video über dem Bild live in der Kamera ab. Das sieht dann so aus:

Das Video wird dann so lange abgespielt, wie man die Kamera über das Triggerbild hält. Klickt man das Video an, kurz bevor es abgespielt wird, kann man das eigene Gerät auch frei bewegen, ohne über das Bild halten zu müssen.

Alternativ zu einem Video können aber auch 3D-Modelle verwendet werden. Für das folgende Beispiel habe ich Modelle für die Lagebeziehungen zwischen Kugeln und Geraden bzw. Ebenen mit der Software Blender erstellt:

 

 

Um ein Aura zu erstellen, braucht man auch lediglich die App. Mit wenigen klickst schießt man selbst das Triggerbild und wählt dann das Video aus:

Allerdings müssen die Geräte untereinander vernetzt sein, damit ein Lernender ein Aura auch sieht. Das Prinzip dahinter funktioniert so:
Der Lehrende installiert die App und erstellt einen Kanal bei Aurasma. Dort erstellt er seine Auras. Die Lernenden können dann einen eigenen Account erstellen und dort nach dem Kanal des Lehrers suchen (das geht aber auch ohne eigenen Account). Nachdem sie dem Kanal des Lehrers folgen, laden sie sich automatisch die Triggerbilder herunter und können alle Auras des Lehrers nutzen.

Ich habe einen Kanal für die ganze Schule angelegt. Den können alle Lehrer nutzen, die eigenes Auras erstellen wollen. Alle Lernenden müssen dann nur noch diesem einem Kanal folgen. Außerdem habe ich einen Account für die Schüler angelegt. Der Klassensatz Tablets, den wir in unserer Schule haben, loggt sich mit diesem Account ein, der dem Account der Schule bereits folgt. Ich nehme also so viele Tablets wie benötigt mit in den Unterricht. Auf dem Gerät ist Aurasma mit dem Schüler-Account vorinstalliert. Die Lernenden müssen also lediglich das Tablet in die Hand nehmen, die App öffnen und die Kamera über das gewünschte Bild halten.

Einsatzmöglichkeiten im Unterricht:
Aurasma bietet sich immer dann an, wenn eine Bild an seine Grenzen stößt. Für Darstellung von einem Gegenstand aus unterschiedlichen Perspektiven, Bewegungsabläufen im Sport- oder Biologieunterricht, Veränderungen und Entwicklungen im Zeitraffer und Bewegungen von Planeten ist Aurasma perfekt. Jede dynamische Bewegung oder Entwicklung, die in wenigen Sekunden dargestellt werden kann, kann ein Arbeitsblatt oder Plakat zum Leben erwecken. Da man für die Nutzung von Aurasma nur ein Smartphone braucht, kann quasi jeder damit arbeiten. Jedes Bild auf einem Arbeitsblatt oder im Buch kann zum Aura werden. Schülerinnen und Schüler können auch selber eigene Auras erstellen. In einer Projektarbeit könnten die Lernenden Pflanzen auf dem Schulgelände fotografieren und filmen. Im Unterricht erstellen sie dazu dann Plakate, welche im Flur ausgehängt werden. Die Fotos werden auf den Plakaten abgebildet und in Auras mit den gefilmten Videos verknüpft. So entsteht eine Themenwelt zu heimischen Pflanzen mit Augmented Reality in der eigenen Schule.

Anspruch und Aufwand:
Sobald man die App ausprobiert, merkt man, dass das Erstellen eines Auras nicht sehr aufwendig ist. Was aufwendig sein kann, ist das Erstellen von Videos, die im Aura verknüpft werden sollen. Hierzu gibt es weitere Informationen in meinem Artikel zu Lernvideos. Man kann hier viel Zeit und Energie investieren. Ich empfehle aber, die Auras wirklich kurz zu halten (zwischen 10 und 60 Sekunden). Außerdem ist der Reiz eines Auras, das Erlebte in bewegten Bildern fest zu halten. Die Indikatorfärbung im Chemieunterricht, die richtige Aussprache der neuen Vokabeln, die Truppenbewegungen Napoleons oder die Verschiebung von Funktionen können von Lernenden selbst gefilmt, gesprochen und gezeichnet werden. In diesem Zusammenhang sollte der Einsatz von Aurasma aber in ein größeres Projekt eingearbeitet werden. Führt man sowieso jedes Jahr im Unterricht ein Projekt durch, bei dem am Ende ein Plakat erstellt werden soll, kann man diese Plakate mit Aurasma anreichern und für die Schülerinnen und Schüler zu einem ganz besonderen Erlebnis machen. Wichtig ist dabei aber, dass man die aktuellen Regelungen zum Datenschutz, Copyright und zum Recht am eigenen Bild im Hinterkopf hat. In diesem Zusammenhang bietet sich aber auch eine tolle Gelegenheit, diese Felder im Unterricht zu thematisieren.

Ich freue mich über Hinweise, Ergänzungen, Kommentare und Feedback an: kontakt@jenslindstroem.de
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