Pädagogik vor Technik

Die Aussage „Pädagogik vor Technik“ wird seit einiger Zeit häufig im Bildungskontext genutzt. Sie soll deutlich machen, dass der Bildungsauftrag unser Ziel ist und die Technik nur ein Werkzeug, dieses Ziel zu erreichen.

Genau dafür wird dieser Aussage aber auch im Kern kritisiert:
Wer Pädagogik vor Technik setzt, verkennt, dass Technologie Schlüssel zum Leitmedienwechsel hin zur Kultur der Digitalität ist. Denn Technologie spielt keine Sonderrolle. Sie ist ein wesentlicher Bestandteil unserer Welt und Motor von ganzheitlichen Veränderungen.

Genau genommen ist die Kultur der Digitalität aber doch viel mehr, als nur Technologie. Mit dem Leitmedienwechsel verändern sich unsere Kommunikation und Interkation, die Berufswelt wandelt sich und damit doch ganz offensichtlich auch der Bildungsauftrag.

Und der Bildungsauftrag steht im Kern der Pädagogik. Eine Pädagogik, die Teilhabe an einer von der Digitalität geprägten Welt zum Ziel hat. Unter dieser Prämisse kann es in der Schule nicht vorwiegend um Technik gehen. Es geht nicht um technologische Kompetenz, sondern um eine ganzheitliche „Digitalisierungskompetenz“ (DPCK statt TPCK).

Es gibt hier keinen Widerspruch. Technologien sind Werkzeuge. Egal ob Messenger, kollaborative Office-Software oder Videokonferenzsystem. Und gleichzeitig sind Technologien Grundlage für weitreichende gesellschaftliche Veränderungen. Um diesen Veränderungen gerecht zu werden, reicht es nicht aus, die Werkzeuge bedienen zu können. Wir brauchen umfassende Veränderungen in der Pädagogik, die neuen technologischen Entwicklungen gerecht werden. Pädagogik geht also weit über Technik hinaus.

Also jetzt doch Pädagogik vor Technik? Was stimmt denn nun?

Man muss das differenzierter betrachten. Umfassende gesellschaftliche und bildungskulturelle Veränderungen in drei Worte lange Halbsätze zu quetschen, führt uns letztlich in Grabenkämpfe. Wir können in der Sache nur voran kommen, wenn wir uns die offensichtlichen Fragen stellen, die in dieser Diskussion aber kaum gestellt werden:
Was ist deine Vorstellung von Pädagogik? Welche Rolle spielt dabei die Technik? Und wird dein Unterricht mit dieser Vorstellung dem Bildungsauftrag gerecht, Jugendliche auf dem Weg zum/zur mündigen Bürger*in zu unterstützen?

Wenn also das nächste Mal jemand „Pädagogik vor Technik“ ruft, dann sollten wir das nicht als Blödsinn oder Trivialität abstempeln. Wir sollten es als Gelegenheit nehmen, nachzufragen und respektvoll und auf Augenhöhe in eine tiefe inhaltliche Diskussion einsteigen. Denn nur so können wir sachlich voneinander lernen und verstehen, was dem Gegenüber wichtig ist.

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